Beiträge

Hunde haben eine Seele.
Etwas was fühlen und empfinden und was beschädigt werden kann.
Genau wie wir Menschen.
Und genau wie bei uns kann man nicht von dem Einen auf den Anderen schließen, was genau diese Seele beschädigt.
Manche Ängste hindern einen an einem normalen Leben.
Die Angst vor Artgenossen ist schrecklich für ein Lebewesen, dass eigentlich in Gruppen lebt und dessen Welt voll von Artgenossen ist, die versuchen Kontakt aufzunehmen.
Angst ist alles andere als realistisch.
Sie ist da und beweist sich immer wieder selbst, dass sie eine Daseinsberechtigung hat.
Angst braucht nicht einmal einen erkennbaren Auslöser oder ein schreckliches Ereignis.
Sie kann auch ganz still und leise entstehen und wachsen.
Angst kann gemacht werden und macht sich selbst.
Deswegen ist sie nicht einfach zu durchschauen, zu erklären oder zu therapieren.
Aber jeder von uns weiß, wie sie sich anfühlt.
Nicht jede Angst ist unbedingt notwendig zu behandeln.
Hat der Hund nur Silvester, aber den Rest des Jahres keine Probleme, dann würde ich persönlich von einer Therapie absehen.
Einen Abend im Jahr kann man auch anders gestalten um ihn möglichst angstfrei zu halten.
Und selbst wenn der Hund die halbe Nacht unter dem Tisch sitzt und Angst hat, dann ist dies im Vergleich zu eventuell monatelangem Training mit dem angstauslösenden Reiz ein vertretbares Übel.
Man kann auch die Jalousien herunter lassen, die Musik aufdrehen, dem Hund ein Nest unter dem Tisch bauen, in das er sich für den Abend verkriechen kann und die Fenster schließen bis der ganze Spuk vorbei ist.
Es gibt auch Ängste, die sind einfach berechtigt und schwer zu bearbeiten.
Zum Beispiel die Angst vor dem Tierarzt.
Egal wie sehr wir mit dem Welpen den Tierarzt besuchen und dort füttern lassen, macht er dort mehrmals eine schmerzhafte Erfahrung, dann wird er sich das merken.
Ist der Hund hart im Nehmen und schmerzunempfindlich, dann wird er trotzdem gerne zum Tierarzt gehen.
Ist der Hund dagegen empfindlich, dann wird er nach der dritten Spritze nicht mehr gerne hingehen, egal wie viel dort vorher gefüttert wurde.
Zum Glück muss der Hund ja nur selten zum Tierarzt. Ist er Dauerpatient könnte man wieder über eine Hilfestellung bei der Angst reden.
Wer davon schwärmt einen ängstlichen Hund permanent glücklich strahlend durch ein Training bringen zu wollen und jede Form der Konfrontation scheut, weil er nicht weiß, wie er die Gefühle des Hundes adäquat auffangen und verändern kann, der ist falsch als Berater.
Angst fühlt sich scheußlich an und sieht auch so aus.
Hat selbst der Trainer Angst vor der Angst und ihrem traurigen Gesicht, dann wird er weder Hund noch Halter der Fels in der Brandung sein können.
Die Angst vor der Angst ist der schlimmste Feind der Heilung.
Angst lähmt. Macht unbeweglich im Denken und hemmt das, was sie als Gegenspieler braucht: Die Neugier.
Ängstliche Hunde brauchen unsere liebevolle Unterstützung. Jemanden der ihnen zeigt wie es geht und der sie mit in die Welt nimmt um zu beweisen, dass diese schön und bunt ist.
Jemand der ihre Neugier fördert, ihre Möglichkeiten und Fähigkeiten eigenständig zu handeln, erwachsen zu sein und sich nicht von jedem bisschen Schreck gleich das Leben vermiesen zu lassen.
Dieser Jemand kann dem Hund Mut geben und ein Vorbild sein.
Dafür müssen wir als Menschen auch loslassen können und den Selbstheilungskräften des Hundes vertrauen, ihn selbständig und erwachsen werden lassen.