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Ich wurde das letztens gefragt, per Mail, von einem potenziellen Kunden.

Es sollte kurz und einfach sein, mir wurden auch ein paar Methoden vorgeschlagen, von denen ich mir eine aussuchen durfte.

Ich bin Hundetrainerin und mit dieser Frage verwirrt man mich.

Wann wurde Hundetraining eigentlich zu einem Wettlauf der besonders schick klingenden Methoden mit Trademark Stempelchen und abgefahrenen Abkürzungen ?

Seit wann darf ich mich nur zwischen Hundetraining a la 50 Shades of grey, oder Sissi entscheiden?

Wie sollte sie aussehen, DIE Methode, mit der jede Beziehung gelingt, jede Freundschaft ewig hält und jeder Hund versteht, dass unsere Idee von anständigem Benehmen viel besser ist als seine?

Ist der Hund denn nichts weiter als ein leeres Gefäß, in dem standardmäßig ausschließlich Liebe und Hunger als Hardware installiert sind, bis wir es nach unserem Gutdünken mit Gedanken und Gefühlen füllen?

Ich zum Beispiel habe einen komischen Humor. Nicht immer im Sinne von „lustig“, zumindest nicht für jeden. Will man mich zum Lachen bringen, dann sollte man meinen persönlichen Humor treffen und nicht nach Methode X einen Witz erzählen, den Menschen halt so witzig finden. Genauso haben meine beiden Hunde eine ziemlich unterschiedliche Meinung darüber, was witzig ist und was nicht. Sie haben auch eine unterschiedliche Meinung darüber, was sie motiviert Dinge zu tun oder zu lassen. Genau das macht es ja so spannend, mit ihnen mein Leben zu teilen.

Versuche ich zum Beispiel ein Sozialspiel als Motivation anzubieten, dann tue ich gut daran erst einmal zu schauen, ob diese Form der Bestätigung für artiges Verhalten überhaupt in den Kontext passt. Es kann toll passen. Rufe ich meinen Rüden auf dem Spaziergang zu mir und er kommt prompt angelaufen, dann ist das für ihn eine gute Motivation, beim nächsten Mal wiederzukommen, wenn ich rufe. Steht aber gerade ein großer, unkastrierter Rüde vor ihm, mit dem er sich gerne mal über seine ausgefeilten Bodenkampftechniken unterhalten möchte, dann wäre es ihm wahrscheinlich höchst peinlich, wenn ich herumalbernd am Wegesrand auf und ab springen würde, um ihm ein nettes Spiel anzubieten. Er ist in diesem Moment einfach nicht zu Scherzen aufgelegt, und warum sollte er dann auch zu mir kommen?

Von der Authentizität meinerseits will ich dabei gar nicht erst anfangen.

Genauso eine Schmach wäre es, wenn ich in diesem Moment eine Tüte mit Leckerlies zücken würde. Ungefähr so cool, wie wenn Mutti vor dem Schulhof über den Parkplatz mit einem Pausenbrot mit abgeschnittenem Rand wedelt, während Kevin sich gerade mit seinem Schulkameraden um eine Zigarette streitet.

In diesem Moment muss ich also eine andere Motivation aus meiner Trickkiste greifen, damit mein Hund überhaupt die Chance hat, erhobenen Hauptes die Situation verlasen zu können.

Was aber, wenn meine Methode nur Spiel oder Futter beinhaltet?

Es gibt ja so viele verschiedene Momente, Antriebe und Gedanken, die ich mit meinem Hund teile, oder eben nicht.

Würde ich jetzt meinem Kunden sagen „Meine Methode heißt Motivation“, dann wäre das entweder viel zu kurz, oder so weit gedacht, dass es quasi ALLES mit einschließen könnte und sich damit auch nicht als gute Methode eignet.

Ebenso könnte ich mich niemals festlegen, ob nun Lob oder Strafe die Gesamtheit einer Methode ausmachen sollte. Natürlich mag ich Lob und meine Hunde mögen es auch.

Natürlich ist das ein fester Bestandteil von Training und Beziehung und achtsamem Umgang, sich miteinander wertzuschätzen und das dem anderen auch zu vermitteln.

Und trotzdem gibt es Momente, in denen ich meinen Hunden klar zu verstehen gebe, dass ich dieses Verhalten wirklich blöd finde. Ansonsten wäre es ja wie Topfschlagen spielen ohne das Wort „kälter“ gebrauchen zu dürfen. Machen Sie das mal auf einem Kindergeburtstag! Das topfschlagende Kind wird irgendwann frustriert die Augenbinde abnehmen und Ihnen den Holzlöffel an den Kopf werfen, weil es irgendwie nie zum Ziel kommt.

Und da werden Sie dann wahrscheinlich auch sagen, dass Sie die Nummer mit dem Holzlöffel am Kopf nicht in Ordnung finden und bei andauerndem Beschuss mit Haushaltsgegenständen Konsequenzen folgen werden. Es muss eben alles zur Situation passen.

Wie also könnte ich meine Methode, meine Art der Arbeit beschreiben? Vielleicht eher mit der Antwort auf die Frage: Wie siehst Du Hunde? Wie ist Deine Einstellung zu Hundehaltung und Erziehung?

Darauf hätte ich Antworten. Aber sie wären länger und komplexer als ein Satz, ein Standard oder eine Grundregel. Ist das zuviel verlangt, die Zeit zu bekommen zu erklären was man denkt und fühlt? Müssen wir Hundetrainer alles in eine möglichst leicht verdauliche Überschrift packen, damit es in eine vermeintlich einfache Schublade passt?

 

Ich habe das Gefühl, ohne Methode gut zurechtzukommen und sehe mich durch eine Festlegung auf pauschale Erziehungsmaßnahmen eher eingeschränkt. Ich versuche das zu vermitteln, was zur Situation, zum Hund und auch zum Halter passt. Und das kann eben alles sein.

„Meine Methode ist Alles und Nichts“ klingt aber als Antwort auf die Mail irgendwie nicht befriedigend.

Ich schreibe es trotzdem so. Ich sagte ja schon, dass nicht jeder meinen Humor teilt.