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Kennst Du den Spruch, dass man immer den Hund bekommt, den man braucht um sich weiter zu entwickeln? Der ist irgendwie richtig und irgendwie richtig philosophisch.
Denn genau genommen ist jede Beziehung zu Lebewesen ein Kontakt, der Dich fordert Selbstreflexion zu betreiben und Dir Hilfe zu holen, um an dieser Beziehung zu wachsen.
Eine soziale Beziehung zeigt Dir immer Deine Schwächen auf und bringt Dich in Reibung mit dem Anderen.
Deswegen bekommst Du auch genau den Partner*in, den Du brauchst, die Freunde und die Cheffin.
Aber wer hat da eigentlich den Hund vergessen?
Der ist doch auch ein hochsoziales Lebewesen mit Bedürfnissen und Ansichten, einem eigenen Charakter und persönlicher Eigenarten.
Wieso wird der eigentlich immer so betrachtet, als sei er immer nur das Instrument für den Menschen?
Wieso ist der Mensch nicht der, den der Hund braucht?
Ein bißchen überheblich zu glauben, dass der Hund nur den Auftrag hätte mir etwas zu geben, ich dabei aber in seinem Leben völlig unerheblich sei.
Als wäre er so ein reines Einhornwesen, dass sich nicht entwickeln kann, dass keine Anregung und auch mal Probleme braucht um zu wachsen?
Fertig geboren und damit auch unfähig sich zu entwickeln, Probleme zu stemmen und sich an Schwierigkeiten zu reiben.
Wie sehr wir unseren Hunden damit doch ein selbstbestimmtes Leben und eine Fähigkeit zu erwachsenem Handeln absprechen. Als würden nur wir sie formen, für alles in ihrem Leben verantwortlich sein und sie ohne uns lebensunfähige, Hüllen sein, die umherdümpeln und nicht wissen, was sie tun sollen.
Auch ein Hund wird erwachsen, selbstständig, selbstbewusst. Wenn man ihn lässt.
Er ist kein Kind, kein Baby und auch nicht unfähig.
Er erwartet nicht von uns alles zu lösen und zu können, denn auch er kann Dinge.
Und er kann Probleme bewältigen, genau wie wir…vielleicht sogar manchmal besser.
Er zerbricht nicht an Aufgaben und Schwierigkeiten, er wird nicht traumatisiert, nur weil nicht alles zu seiner vollständigen Zufriedenheit läuft und er hat die Gabe sein Leben neu zu ordnen.
Genauso wie wir Menschen.
Er lebt nicht vom puren Vertrauen in unsere Unfehlbarkeit, sondern kann auch Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit entwicklen…wenn man ihn lässt.
Ihn davon ab zu halten eigenständig zu werden ist also keinesfalls nett. Ihm alle Probleme vom Hals zu halten vielleicht gut gemeint, aber nicht gut.
Und ihm zu verwehren auch mal mit uns in Konflikte zu geraten, Dinge machen zu müssen, die doof sind und sich zum Wohle der Freundschaft auch an zu strengen und mit zu denken, oder etwas nicht zu bekommen ist genau genommen übergriffig und verhindert das Erlernen wichtiger, sozialer Fähigkeiten.
Jeden Wunsch von den Augen ab zu lesen, sofort zu erfüllen und absolut niemals Ansprüche zu stellen, oder zu erstreiten, dass Regeln eingehalten werden ist nicht nett.
Es ist die Entsagung eigener Kompetenz und das verwehren von dem, was der Hund am wichtigsten braucht: Soziale Interaktion!
Dazu gehört Liebe, Gemeinsamkeit, Vertrauen und sich einig sein genauso wie Streit, Abgrenzung und das Durchsetzen von eigenen Bedürfnissen. Für beide Seiten, nicht nur für den Hund.
Und vielleicht sind wir ja der Mensch, den sich unser Hund zwar nicht gewünscht, aber immer gebraucht hat?
Also trauen wir unseren Hunden mal zu, Stress bewältigen zu können, mit unseren Fehlern umgehen zu können, uns zu vertrauen, auch wenn wir mal nicht auf den Punkt zur Rettung geeilt sind und sowieso das Leben zu schaffen, ohne unsere ständige Bestätigung.
Wir könnten doch einfach mal richtig gute Freunde sein, die sich gegenseitig etwas geben und sich gegenseitig nerven, so wie es Freunde nun mal machen.
Und unsere Hunde könnten wir bewusst erwachsen sein lassen, erleben und herausfinden lassen und ihnen zutrauen, dass sie auch die anstrengenden Dinge des Lebens gemeistert bekommen, ohne unsere Hilfe, einfach weil sie es können, oder zumindest, damit sie es lernen können.